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Reisen bildet: Werkzeugschleifer des FDPW
zu Gast bei Schwanog und Haas Schleifmaschinen

Clemens Güntert erläutert den FDPW-Mitgliedern wie die prozessorientierte Produktion bei Schwanog läuft.
Haas Schleifmaschinen: Clemens Güntert erläutert wie prozessorientierte Produktion läuft.

Mehr als 40 Frauen und Männer vom Fachverband Deutscher Präzisions-Werkzeugschleifer (FDPW) sind der Einladung zur diesjährigen FDPW-Inforeise gefolgt und durften am 23. und 24.10.2015 beim Präzisionswerkzeughersteller Schwanog in Obereschach und hier bei Haas Schleifmaschinen in Trossingen hinter die Kulissen zweier moderner Hightech-Unternehmen schauen.

„Die beste Bildung“, hat Goethe einmal geschrieben, „findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.“ Diesen plakativen Satz schienen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der diesjährigen FDPW-Inforeise im Gepäck zu haben, als sie am Freitag, den 25. Oktober 2015 in Villingen-Schwenningen ihre schon traditionelle Herbsttour mit einem Besuch bei unserem Kunden, dem Präzisionswerkzeughersteller Schwanog (Siegfried Güntert GmbH) eröffneten.

Werkzeughersteller mit Leib und Seele und großer Begeisterung: Clemenst Güntert.
Clemens Güntert: Werkzeughersteller mit Leib und Seele.

Wettbewerbsfähig im Hochlohnland
Geschäftsführer Clemens Güntert erläuterte in einem spannenden Vortrag, wie man im Hochlohnland Deutschland präzise Zerspanungswerkzeuge zu absolut wettbewerbsfähigen Preisen herstellen kann. Mehr als 400.000 Profile für Formwendeplatten und Stechplatten sind bei Schwanog abruf- und produzierbar. „Dabei liegen die üblichen Losgrößen, die unsere Kunden ordern, zwischen drei und 50 Profilplatten“, so Clemens Güntert. „Bei mehr als 10.000 Einzelaufträgen pro Jahr steht für uns der optimal durchorganisierte Produktionsprozess im Fokus. Einen modernen Maschinenpark hinstellen kann jeder, das Know-how für den Erfolg von Schwanog liegt im Prozess und in der Qualität!“

1946 vom Großvater Oscar Güntert gegründet, konzentriert sich Schwanog seit 1997 ausschließlich auf die Produktion hochpräziser Zerspanungswerkzeuge. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Profilplatten. Mehr als 100 qualifizierte Spezialisten sorgen am Stammsitz Obereschach und in Niederlassungen in den USA, Frankreich und China dafür, dass jeder Kunde genau das Werkzeug bekommt, das er braucht.

Industrie 4.0? Bei Schwanog schon Alltag
Angesprochen auf das Stichwort Industrie 4.0 lächelt der Firmeninhaber verschmitzt: „Die vernetzte Fertigung ist bei uns längst Alltag. Anders könnten wir ab Losgröße 1 niemals wirtschaftlich fertigen. Vom Auftragseingang über die Konstruktion bis zur Steuerung unserer Maschinen und der Auftragsabrechnung haben wir einen durchgängigen Datenfluss.“ Während also gerade überall die Industrie-4.0.-Taskforces aus dem Boden sprießen, sprechen bei Schwanog die Maschinen schon lange miteinander.

Die FDPW-Mitglieder waren sichtlich beeindruckt von der prozessorientierten Produktion, aber auch von der Offenheit, mit der Clemens Güntert seine Gäste informierte. Der professionelle Eindruck setzte sich beim Betriebsrundgang fort. Herzstück der Schwanog-Fertigung ist die hochmoderne Werkzeugschleiferei, wo rund 20 zum Teil vollautomatisierte 5-Achs-CNC-Schleifmaschinen von Haas sowie diverse Erodier- und Fräsmaschinen für Präzision und Produktivität in der Fertigung sorgen.

Menschen, Software, Maschinen
In der abschließenden Diskussion im Schwanog-Konferenzzentrum war Firmenchef Güntert sehr auskunftsfreudig zu den technischen und organisatorischen Fragen der FDPW-Mitglieder. Drei Aspekte hob er besonders hervor, ohne die Schwanog nicht so erfolgreich wäre, auch gerade im Wettbewerb mit asiatischen Firmen: „Neben einer exzellenten Hardware, sprich Schleif- und Erodiermaschinen, kommt es für eine effiziente Produktion vor allem auf die Software an. Das geht von der Schleif- und Steuerungssoftware bis hin zu unseren ERP-Systemen, die von unseren Maschinensteuerungen mit den benötigten Fertigungsdaten versorgt werden.“ Und dann, betont Güntert, „sind da noch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die wir hegen und pflegen. Was nützt uns die beste Schleifmaschine, wenn der Werkzeugschleifer nicht weiß, wie man das Maximale aus der Maschine rausholt?“

Gute Leute zu bekommen, ist auch für einen Spitzenbetrieb wie Schwanog nicht einfach, weshalb das Unternehmen viel in Aus- und Weiterbildung investiert. Wie wichtig der Unternehmensleitung die Pflege des Teamgeists ist, zeigen auch zahlreiche Aktivitäten außerhalb des Arbeitsalltags. Man geht beispielsweise zusammen joggen, Ski fahren, auf die Fasnet oder unternimmt auch mal einen Ausflug in den Europapark.

FDPW zu Gast bei Haas

Nachdem die FDPW-Mitglieder am ersten Tag ihrer Inforeise gesehen hatten, wie man Präzisionswerkzeuge mit modernden CNC-Schleifmaschinen wirtschaftlich herstellt, konnten sie sich am Samstag ein Bild davon machen, wie und wo diese Schleifmaschinen entwickelt und gebaut werden. Gerade mal 14 Kilometer vom Schwanog-Firmensitz bauen wir bei Haas unsere Multigrind® Schleifzentren.

Geschäftsführer
Haas Schleifmaschinen: Thomas Bader begrüßt die Gäste des FDPW im Vorführraum.

Maschine für Werkzeugschleifer
In der Trossinger Adelbert-Haas-Straße produzieren wir auf 5.000 qm Fläche rund 80 Multigrind® Schleifmaschinen pro Jahr. Die jüngste Entwicklung, das kompakte Schleifzentrum Multigrind® CU, richtet sich dabei gezielt an die Hersteller von Präzisionswerkzeugen für die Zerspanung. Aufgrund der geringen Stellfläche und der geschlossenen Seitenflächen kann die Multigrind® CU auch in Reihe als Produktionsstraße aufgestellt werden. Dies dürfte wiederum die Volumenhersteller von Zerspanungswerkzeugen interessieren.

Wo geschliffen wird, spielt die Musik.
Haas Schleifmaschinen: Wo geschliffen wird, spielt die Musik für Werkzeugschleifer.

Unsere mittlere Maschine, die Multigrind® CA, ist darüber hinaus prädestiniert für die Hersteller von Bauteilen für die Medizintechnik, Energiebranche und die Luft- und Raumfahrttechnik. Das Flaggschiff der Familie, die Multigrind® CB, findet man hauptsächlich bei den Herstellern von Implantaten, medizinischen Werkzeugen, Turbinenkomponenten, Wälzfräsern und Getriebeteilen.

Präzision braucht Software
„Wer präzise und wirtschaftlich schleifen will, braucht nicht nur eine gute Schleifmaschine, sondern auch eine leistungsstarke, aber einfach zu handhabende Schleifsoftware”, so Thomas Bader in seinem Einführungsvortrag. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, eine eigene, völlig neue und geometriebasierte Schleifsoftware zu entwickeln.

Eingeführt wurde unsere Schleifsoftware Multigrind® Horizon im Jahr 2012 auf der GrindTec. Mittlerweile läuft die Software auf allen Multigrind® Schleifmaschinen und ist, bis auf ganz wenige Ausnahmen, für alle Anwendungen einsetzbar. Die Leistungsfähigkeit dieser Software hat sich übrigens nicht nur bei unseren Kunden herumgesprochen, sondern auch bei anderen Schleifmaschinenherstellern. Was es mit der Multigrind® Horizon genau auf sich hat, ließen sich die FDPW-Mitglieder von unserem Software-Chef Wolfram Hermle erklären.

Dichtes Programm
Natürlich haben wir uns für den FDPW richtig ins Zeug gelegt und ein gehaltvolles Programm erstellt. Angeboten wurden: ein Vortrag zum Thema Schleifsoftware, ein Referat zum Thema Spann-Technologie, Schleifvorführungen an der Maschine sowie die Möglichkeit, sich die getaktete Fließfertigung erklären zu lassen. Im Zentrum unserer Arbeit steht dabei immer der passende Schleifprozess, den unsere Ingenieure und Techniker mit unseren modular aufgebauten Maschinen, der Schleifsoftware und unserem Technologie-Know-how entwickeln und implementieren.

Schleifprofis unter sich: Georg Pirthauer und Wilfried Saxler vom FDPW mit Thomas Bader und Dirk Wember von Haas.
Haas Schleifmaschinen: Schleifprofis unter sich.

Für uns als Schleifmaschinenbauer sind übrigens solche Besuche ungemein anregend, weil wir aus den zahlreichen Gesprächen mit den Schleifprofis vom FDPW viele Anregungen mitnehmen können. Ruckzuck war der Vormittag vorbei und unsere Gäste mussten wieder in den Bus.

Alles in allem war die von Sabine Saxler organisierte FDPW-Inforeise 2015 eine sehr spannende Sache, die durch eine Stadtführung durch das historische Villingen und eine Wanderung durch das Schwenninger Moos auch kulturelle Höhepunkte hatte. Vorschläge für mögliche Ziele zur FDPW-Inforeise 2016 dürfen, so haben wir gehört, ab sofort eingereicht werden: info@fdpw.de

Wir bedanken uns bei unseren Gästen vom FDPW für das Interesse und die guten, anregenden Fachgespräche in entspannter Samstagmorgen-Atmosphäre. Das hat man ja auch nicht alle Tage.

Dirk Wember und Thomas Bader

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